Aktiensplit: Was das ist und warum er gemacht wird

aktiensplitBei einem Aktiensplit, der im Englischen forward stock split bezeichnet wird, werden bestehende Aktien in eine größere Anzahl an neue Aktien mit einem geringeren Nominalwert umgewandelt. Der Wert der Aktien insgesamt ändert sich für einen Anleger dabei aber nicht. Der Aktiensplit ist damit transaktionstechnisch das Gegenteil einer Aktienzusammenlegung (engl. reverse stock split). Was es sonst noch über den Aktiensplit zu wissen gibt, das erfährt man in diesem Artikel.

Was bedeutet ein Aktiensplit?

Ein Aktiensplit von 1:2 bedeutet beispielsweise, dass man für eine Aktie zwei Aktien bekommt. Der aktuelle Wert einer Aktie wird durch den Split allerdings halbiert. Beispielsweise eine Aktie hat zum Stichtag den Wert 50 Euro und man besitzt 100 Aktien. Der Gesamtwert beläuft sich also auf 5000 Euro. Nach einem 1:2 Split halbiert sich der Wert auf 25 Euro, man hält aber nun 200 Aktien am Unternehmen. Und da 200 * 25 ebenfalls 5000 Euro ergeben, hat sich am Gesamtwert nichts getan. Es ändert sich also weder etwas am Eigenkapital der Gesellschaft noch am Gesamtwert des Aktienbestandes jedes einzelnen Aktionärs. Warum Aktiensplits dennoch Sinn machen, erfährt man weiter unten.

Wann kann ein Aktiensplit durchgeführt werden?

Die Durchführung eines Aktiensplits muss in der Hauptversammlung mit einfacher Mehrheit beschlossen werden, sollte den Anlegern also dementsprechend eigentlich bekannt sein. Dennoch kommt es sehr häufig vor, dass Anleger nach einem Aktiensplit sich wundern, warum die Aktie plötzlich so stark an Wert verloren hat. Im schlimmsten Fall reagieren sie gar panisch und stoßen ihre Aktien ab, was zu einem kurzfristigen sinken des Aktienkurs führen kann. Damit genau dieses panische Verhalten präventiv vermieden wird, werden historische Kurse meistens automatisch angepasst. In solch einem Fall kann man einen Aktiensplit nicht auf dem ersten Blick auf dem Chart erkennen.

Chart zeigt Aktiensplit bei Under Armour

Keine Panik: Dies ist kein dramatischer Kurssturz
sondern ein Aktiensplit


Die technische Durchführung eines Aktiensplits gestaltet sich gewöhnlicherweise so, dass die bisherigen Aktien alle eingezogen werden und durch Aktien mit einem niedrigeren Nennwert aber gleicher WKN bzw. ISIN ersetzt werden müssen. In den früheren Zeit mit physischen Aktienpapieren waren Aktiensplits deshalb relativ selten. In der heutigen digitalen Welt ist der „Austausch“ inzwischen aber kein Problem mehr, sodass es durchaus häufiger vorkommt, dass Unternehmen zu einem Aktiensplit greifen. Warum das so ist, erfährt man nachfolgend.

Vorteile eines Aktiensplits

Für einen Anleger hat einen Aktiensplit keine Vorteile. Ein Unternehmen verfolgt hingegen mit dem Aktiensplit das Ziel, dass der neue niedrigere Kurs attraktiver für potentielle Anleger wirkt. Außerdem wird die Aktie dadurch leichter handelbar. Dies soll mittel- bis langfristig wiederum dem Aktienkurs zu Gute kommen.

Was passiert mit einer Stop-Loss-Order?

Bei einem so „plötzlichen Kurseinbruch“ könnte man nun ja Angst haben, dass reihenweise Stop-Loss-Order dadurch ausgelöst werden, wenn man diese nicht davor stillgelegt hat. Da dies aber zu einem dramatischen Kurssturz führen könnte, wurden entsprechende Absicherungen eingeführt. Genau deshalb werden Stop-Loss-Orders im Falle von Aktiensplits in der Regel automatisch gelöscht. Allerdings gilt auch hier wieder, dass sich das von Bank/Broker zu Bank/Broker unterscheiden kann. In jedem Fall sollte man einen Blick in die AGB des entsprechenden Depotanbieters werfen.

Steuerliche Behandlung eines Aktiensplits

Prinzipiell ändert sich bei einem einfachen Aktiensplit im Bezug auf die Steuer nicht. Da ISIN und WKN unverändert bleiben, entsteht auch keine Steuerlast. Es handelt sich hier um einen steuerneutralen Vorgang.

Problematisch wird es bei einem Aktiensplit der kein richtiger Split ist. Dies ist dann der Fall, wenn die schon vorhandene Aktien nicht einfach nur vermehrfacht werden, sondern es neben den alten Aktien neue Aktien in einer anderen Klasse gibt. Dies war beispielsweise beim Aktiensplit von Google im Jahr 2014 der Fall, in dem neue Aktien herausgegeben wurden, mit einer anderen WKN und ISIN als die alten A-Aktien. Darin sah der deutsche Fiskus eine Sachdividende und zog zunächst für die neuen Aktien die Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer ein. Das kostete damals die Aktionäre der heute „Alphabet“ heißenden Holding bis zu 29 Prozent ihres Investments. Inzwischen wurde diese fehlerhafte Besteuerung nachträglich korrigiert – zumindestens in der Theorie. In der Praxis warten noch bis heute Anleger auf ihr Geld.

Steuerliche Aspekte beim Aktiensplit

Steuerlicher problematischer Aktiensplit:
Stockdividende mit Ausgaber neuen Aktien einer anderen Klasse

Bildquelle: stevepb/pixabay

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