Börsen 1×1: Marktmikrostrukturen

marktmikrostrukturen - Wie Märkte funktionierenWer sich einmal mit der Börse näher beschäftigt, der wird schnell feststellen, dass die Wertpapierbörse, nur eine spezielle Art der Börse ist und viele weitere Formen nebenbei existieren. Im nachfolgenden Beitrag wollen wir uns deshalb einmal ganz allgemein Marktmikrostruktur untersuchen und die damit zusammenhängenden Auswirkungen der Mikrostruktur auf den Preisbildungsprozess und die Transaktionsmechanismen. Insbesondere umfasst die Marktmikrostruktur Handelsregeln und Handelssysteme und berücksichtigt strukturelle Charakteristiken der Märkte. Bestandteile der Mikrostruktur eines Marktes sind also Marktmodelle (Auktionstypen), Ausführungssysteme, Handelsmechanismen und der Transparenzgrad. Diese werden nachfolgend näher vorgestellt:

Marktmodelle (Auktionstypen)

Der Auktionstyp wird benötigt um Angebot und Nachfrage zueinander zubringen, um damit einen Preis zu bilden. Auf den Finanzmärkten findet man unter anderem folgende Auktionstypen/Marktmodelle:

Call Auction

Bei der Call Auction werden Orders in einer Aufrufphase („Call“) über eine bestimmte Zeitperiode gesammelt. Käufer bestimmten dabei einen Maximalpreis zu welchem sie kaufen und Verkäufer einen Minimalpreis zu welchem sie verkaufen. Anschließend werden alle Trades (Handelsaufträge) auf einmal zu einem fixen Preis (normalerweise der Preis zu dem die meiste Menge umgesetzt werden kann) ausgeführt.

Call Auctions eignen sich als Alternative zu Continuous double auctions (kontinuierliche Doppelauktion, siehe unten) vor allem dann, wenn die Handelsaktivität gering ist. Sie eignen sich damit auch zum Beginn oder Ende eines Handeltags, bzw. bei einem Neustart, falls es zu einem Handelsstop gekommen ist. So kann ein Markt als Call Auction starten, dann in eine Continuos Auction übergehen und wieder als Call Auction schließen.

Call Auctions zeichnen sich durch eine konzentrierte Liquidität aus. Sie sind sehr hilfreich für die Preis- und Mengenbestimmung. Neben diesen Vorteilen haben sie aber auch einige Nachteile. So müssen Investoren immer warten, bis die nächste Auktion stattfindet und durchgeführt wurde. Dadurch ergibt sich auch, dass der ganze Markt nur sehr langsam auf Neuigkeiten reagiert.

Continuous double auction (kontinuierliche Doppelauktion)

Die Continuous double auction (kontinuierliche Doppelauktion) ist die gebräuchlichste Marktform bei der immer gehandelt werden kann, wenn der Markt offen ist. Gegenüber der Call Auction zeichnet sich die Continuous double auction durch ihre Flexibilität aus, bei der Trader jederzeit einen Handel vollziehen können, sofern sie eine Partei auf der Gegenseite finden. Diese findet man heutzutage auch auf den populären Wertpapierbörsen wieder.

Market Maker Model

Beim Market Model agieren sogenannte Market Maker als Dealer im Markt. Sie stellen Liquidität bereit, in dem sie regelmäßig kaufen und verkaufen und damit meist als Gegenpart für einen Händler zur Verfügung stehen. Verkauft ein Market Maker beispielsweise, versucht er gleich wieder zu kaufen und bei einem Kauf gleich wieder zu verkaufen. Sie handeln vor allem kleine Größen, deren Preise sie nah am Markt ansetzen. Um möglichst Verluste zu vermeiden, versuchen Market Maker informierten Händler so gut es geht aus dem Weg zu gehen.

Ausführungssysteme

Unter Ausführungssysteme versteht man den Weg, wie man Käufer und Verkäufer zueinander bringt. Nachfolgend werden verschiedene Ausführungssysteme kurz erläutert:

Quote-driven

In quote-driven Markets sind sogenannte Dealer an jedem Handel beteiligt. Sie agieren dabei als Zwischenvermittler. Gibt es beispielsweise ein Käufer A und ein Verkäufer B, dann können diese beide in einem quote-driven Market nicht direkt handeln. Stattdessen verkauft Verkäufer B an Zwischenvermittler C (der Dealer), von dem dann wiederum Käufer A kauft. Nur der Dealer quotet Preise (setzt Preise), man spricht deshalb auch von deinem Dealer Market. Zwar gibt es auch quote-driven Märkte bei denen Trader direkt miteinander handeln kann, dies sind aber dann nicht „reine quote-driven Märkte“.

Brokered Market

Brokered Markets sind mit quote-driven Markets vergleichbar. Statt Dealer nehmen im Brokered Markets aber ein Broker die Rolle des Zwischenvermittlers an. Diese Broker suchen aktiv nach Käufern und Verkäufern, um sie zueinander zu bringen. Die Aufgabe des Brokers ist also Liquidität zu finden. Block Trades fallen beispielsweise in das Aufgabengebiet von Broker, die bei sehr großen Trades nach Gegenpartei suchen sollen. Dealers würden bei großen Trades keine Position einnehmen, da sie Gefahr laufen würden, Verluste durch informierte Trader zu machen.

Order-driven

Order-driven Markets sind das genau Gegenteil zu quote-driven Markets. Hier handeln Käufer und Verkäufer direkt miteinander. Handelsregeln spezifizieren wie ein Handel zustande kommt. Auch Dealer sind auf order-driven Markets unterwegs und handeln dort. Die Marktstruktur bei order-driven Markets ist variable. Typen sind beispielsweise single-price auctions, bei denen alle Trades zum gleichen Preis nach einem Market Call stattfinden oder auch continuous two-sided auctions, bei denen sich Käufer und Verkäufer selbst zu variierenden Preisen arrangieren.

Hybride

Wie der Name schon sagt vereinen Hybrid Markets Features von quote-driven, order-driven und/oder brokered markets. Beispiele für Hybrid Markets sind die New York Stock Exchange (NYSE) oder auch Nasdaq.

Handelssysteme

Bei den Handelssystemen unterscheidet man zwischen einem statischen, einem dynamischen und einem flexiblen Marktmodell.

Statisches Handelssystem

Beim statischen Handelssystem bestimmen externe Faktoren den Handelsmechanismus, wie beispielsweise Handelsregeln.

Dynamisches Handelssystem

Beim dynamischen Handelssystem bestimmten hingegen die Käufer und Verkäufer die Marktstruktur bei jeder Transaktion.

Flexibles Handelssystem

Bei flexiblen Handelssystemen geben letztendlich endogene Faktoren, die aus einem bestimmten Marktereignis sich ergeben, den Ton an und bestimmten den Handelsmechanismus.

Transparenz

Auf Finanzmärkten, wie Börsen, unterscheidet man zwischen der Pre- und der Post-Trade Transparency (Vor- und Nachhandelstransparenz).

Unter der Vorhandelstransparenz versteht man die Transparenz vor dem Handel. Konkret versteht man darunter die Geschwindigkeit, in denen bid und ask quotes bekannt gemacht werden. Man hätte beispielsweise eine hohe Vorhandelstransparenz, wenn die kompletten Limit-Order Bücher offen wären. Sind hingegen nur die besten bid und ask Angebote offen, dann hätte man eine viel geringere Vorhandelstransparenz.

Die Nachhandelstransparenz betrifft hingegen die Transparenz nach dem Handel, sprich in welcher Geschwindigkeit Informationen von ausgeführten Trades berichtet werden.

Quelle

  • Trading and Exchanges Larry Harris, 2003

Bildquelle: Pixabay/PublicDomainPictures

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