Buchvorstellung: Flash Boys: Revolte an der Wall Street

Hochfrequenzhandel ist etwas, womit ein normaler Privatanleger im Normalfall nichts zu tun haben wird. Maschinen übernehmen hier die Kontrolle über den Handel und erledigen Geschäfte in Sekundenschnelle. Dabei sind Sekunden noch viel zu langsam. Der Handel verläuft in Millisekunden, bzw. gar in Mikrosekunden. Umso schneller, umso besser. Schließlich können so gewonnene Informationen zu Geld gemacht werden, noch bevor andere Marktteilnehmer diese verwerten können. Einen spannenden Einblick hinter diese sogenannten „Flash-Tradern“ gewährt das Buch „Flash Boys: Revolte an der Wall Street“ (engl. Flash Boys A Wall Street Revolt), in dem Autor Michael Lewis diese neuen Marktteilnehmer etwas genauer vorstellt. Was euch im Buch „Flash Boys: Revolte an der Wall Street“ erwartet, erfahrt ihr in der nachfolgenden Buchvorstellung.

Der Wirtschaftsjournalist Michael Lewis dürfte den ein oder anderen vielleicht schon bekannt vorkommen. Er weist unter anderem eine Ausbildung bei der Investmentbank Salomon Brothers auf, wo er drei Jahre lang arbeitete. Diese Erfahrungen dort verarbeitete er 1989 in dem Buch „Liar’s Poker“ (deutsch: Wall Street Poker), worauf weitere Bücher folgten, die sich mit der Börse und der Finanzindustrie auseinandersetzten. So basierte unter anderem der im Jahr 2015 veröffentlichte Film „The Big Short“ auf Lewis Buch „The Big Short: Wie eine Handvoll Trader die Welt verzockte“ aus dem Jahr 2010. Im Jahr 2014 folgte dann mit seinem Buch “Flash Boys. A Wall Street Revolt“ ein ebenso beachtetes Werk, das unter anderem zu Debatten über die Finanzaufsicht führte.

Doch worum geht es in dem Buch? Erst einmal geht es um mehrere Personen. Einer dieser Hauptprotagonisten ist dabei Bradley Katsuyama, dem Gründer der IEX (Investors Exchange). Die IEX beschreibt sich auf der eigenen Seite unter anderem folgendermaßen: „IEX, the Investors Exchange, is a fair, simple and transparent stock exchange dedicated to investor and issuer protection.“ Eine Beschreibung die so auf fast jede Börse zutreffen sollte, könnte man denken. Das dem aber so nicht ist, oder nicht war, das zeigt unter anderem Lewis auf, in dem er die Vorgeschichte, die zur Gründung der IEX durch Katsuyama führte, sehr detailliert aufzeigt. So startete Bradley Katsuyama Geschichte bei der Royal Bank of Canada (RBC), für die er in leitender Position tätig war. Schon bald fiel ihm und seinen Kollegen, wie Ronan Ryan, John Schwall und Rob Park ein seltsames Börsenverhalten bei der Abwicklung ihrer Geschäfte auf. Die Märkte funktionierten nicht mehr so, wie sie das erwartet hätten. Sie verloren immer mehr Geld, da bei Kauf oder Verkauf von Aktien, der Markt für diese Aktie einfach verschwand oder sich der Kurs entscheidend änderte.

“Ich habe gesagt, ich werde hier über den Tisch gezogen, aber ich habe keine Ahnung, wer mich über den Tisch zieht. Und er hat zu mir gesagt, das liegt daran, dass es inzwischen mehr Akteure auf dem Markt gibt. Das habe ich nicht verstanden. Welche Akteure?“

Schon bald findet Katsuyama heraus, wer diese neuen Akteure sind: Hochgeschwindigkeitshändler, sogenannte Flash-Trader, die sich die Vorteile des neuen Übertragungsmediums Internet in nahezu perfekter Weise zu eigen gemacht haben. Schon im ersten Kapitel des Buchs liest man dabei, welche Mühen und Kosten diese Marktteilnehmer bei der Verlegung eines Glasfaserkabels, das ein Rechenzentrum im Süden Chicagos mit einem Rechenzentrum einer Börse im Norden New Jersey verbinden sollte, auf sich genommen haben. Es wurden Tunnel durch Berge gesprengt, Gräben neben einsamen Landstraßen ausgehoben und Röhren unter Flüsse verlegt. Einzig und alleine dafür, um das Kabel am besten Schnurgerade verlegen zu können, damit es ja keine Einbußen bei der Geschwindigkeit für die Übertragung der Informationen gab.

Letzterer Einblick macht das Buch auch so lesenswert und kurzweilig. Man bekommt nicht nur einen Einblick von den betroffenen Marktteilnehmern, die ihre Felle durch die fragwürdigen Praktiken der Flash-Trader davon schwimmen sahen. Auch die Flash-Trader selbst werden von Lewis näher vorgestellt. So ist ein weiterer Protagonist der russische Programmierer Sergey Aleynikov, der für Goldman Sachs gearbeitet und nur wenige Zeit nach seiner Kündigung dort wegen angeblichen Diebstahl von Computerprogrammen verhaftet und angeklagt wurde. Michael Lewis schreibt dazu im Vorwort:

Ich wunderte mich ein wenig, dass der einzige Goldman-Mitarbeiter, der nach der Finanzkrise vor Gericht gestellt wurde, ausgerechnet jemand war, der etwas von Goldman Sachs gestohlen haben sollte, und das, obwohl diese Bank in der Finanzkrise eine ganz entscheidende Rolle gespielt hatte.

So bekommt man auch einen kleinen Einblick hinter die Kulissen der Architekten des Hochfrequenzhandels. Lewis beschreibt, wer die Programmierer waren, die diese neue Art des Handels überhaupt ermöglicht haben, und wie diese ihren Einfluss auf die Finanzmärkte überhaupt wahrnahmen. Laut Lewis überraschenderweise überhaupt nicht oder nur sehr eingeschränkt. Er zeigt damit die unterschiedlichen Welten von Händlern und Programmierern auf und was daraus entstehen kann, wenn man diese irgendwie vermischt.

Fazit:

Flash Boys: Revolte an der Wall Street“ von Michael Lewis gibt einen sehr spannenden und kurzweiligen Einblick hinter die Kulissen des Hochfrequenzhandels. Es werden verschiedenen Protagonisten von beiden Seiten beleuchtet, wodurch man die Entwicklung des Flash Tradings besser verstehen und nachvollziehen kann. Tatsächlich bekommt man als Kleinanleger hier ein etwas flaues Gefühl im Bauch, da Börsen eben nicht die transparenten Marktplätze sind die man sich gerne wünscht. Insbesondere wird man sich auch noch einmal bewusst, dass es dort gewissen Marktteilnehmer gibt, gegen die man keine Chance hat und jemals auch haben wird. Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der sich ein bisschen mit dem Thema das Hochfrequenzhandels auseinandersetzen und mehr erfahren möchte, wie es so auf den großen Handelplattformen der Welt zugeht.

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