Interessanter Nature-Kommentar zum Thema Hochfrequenzhandel

Über einen Spiegel Online Artikel bin ich auf einen sehr interessanten „Nature“-Kommentar mit dem Titel: „Physics in finance: Trading at the speed of light“ gestoßen. Der Hochfrequenzhandel kommt ja allmählich ins „Rollen“ und profitiert natürlich stark von den technologischen Errungenschaften der letzten Jahre.

Der Einsatz von Lichtwellenleiter und Laser war gestern, auf was sich Hochfrequenzhändler „freuen“ dürfen, dazu gibt Autor Mark Buchanan einen kleinen Einblick. So sei die Übertragungsgeschwindigkeit von 300.000 Kilometer pro Sekunde, die Glasfaserkabel liefern immer noch zu langsam. Schneller ginge es, wenn die Daten direkt über die Luft übertragen werden. Möglich machen sollen das solarbetriebene Drohnen und eine Flotte von Ballons. Doch erst einmal soll der nächste Schritt Hohlkern-Glasfaserkabel (hollow-core fibre cables) sein, durch denen das Licht in eine kleine Luftlücke in Lichtgeschwindigkeit sich bewegen kann. Die absolute Zukunftsvision ist dann die Datenübertragung über Neutrinos, die den kürzesten Weg durch die Erdkugel nehmen können und damit auch spätestens dann die Laserstrahlen ablösen würden, die den umständlichen Weg über die gekrümmte Erdoberfläche folgen müssen. Die ganze Entwicklung hängt momentan natürlich am Geld, momentan sind solche Zukunftsvisionen schlichtweg zu teuer.

Doch Buchanan spricht auch die Risiken des Geschwindigkeitshypes an. Unvergessen ist hier der 6. Mai 2010, als der Down Jones in wenigen Minuten um 9% fiel, nur um sich wenige Minuten später wieder zu erholen (Flash Crash). Dieser unerklärliche Zusammenbruch ist das Ergebnis des, manchmal unkontrollierbaren, Hochfrequenzhandel. Wenn Computer nur noch auf Grundlage von Algorithmen agieren, können diese bei Extremfällen nicht angemessen reagieren, wenn der Programmierer diese erst gar nicht vorgesehen hat.

Sollte man den Hochfrequenzhandel deswegen verbieten? Buchanan sieht sowohl die Vor- als auch die Nachteile. Auf der einen Seite gibt diese Art des Handels den Märkten Liquidität und sorgt für niedrigere Spreads, die wiederum das Handeln „billiger“ machen. Auf der anderen Seiten sorgt das automatische Verhalten für extreme Fluktuationen die den ganzen Markt betreffen. Der Flash Crash war keine einmalige Sache und kann sich jederzeit wiederholen.

Kritiker möchten den Hochfrequenzhandel am liebsten ausbremsen – und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Geschwindigkeitsbegrenzungen lautet hier das Zauberwort. Ob es soweit kommen wird ist aber fraglich. Der Autor plädiert deshalb auch für eine Ausweitung der Forschung auf diesem Gebiet. Computerexperten, Mathematiker und auch Wirtschaftswissenschaftler müssen zusammenarbeiten um zu verstehen, was zu Flash Crashs führt und welche Änderungen in der Marktstruktur dazu führen können, dass solche Abstürze vermieden werden können.

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