Keynes Schönheitswettbewerb

Schönheitswettbewerbe und die Börse passen nicht zusammen? Dann frage doch einmal den bekannten britischen Ökonomen, Politiker und Mathematiker John Maynard Keynes. Leider lebt Keynes nicht mehr, deshalb möchte ich Keynes ökonomisches Experiment innerhalb der Spieltheorie nachfolgend vorstellen. Wer bei dem Stichwort Spieltheorie schon zusammengezuckt ist, keine Angst. Komplizierte Formel wird man nachfolgend nicht finden und neben der Theorie soll auch die Praxis nicht zu kurz kommen.

Der Schönheitswettbewerb an den Börsen nach Keynes (auf Englisch Keynes Beauty Contest) geht auf frühere Preisausschreiben in Zusammenhang mit Schönheitswettbewerben in amerikanischen Zeitungen zurück. Damals gewann genau derjenige, der das Foto ausgewählt hatte, dass auch von den meisten anderen als das schönste ausgewählt wurde.

Wer also gewinnen wollte, durfte nicht das aus seiner Sicht schönste Bild wählen, sondern das Bild von dem er glaubte, dass die Mehrheit der anderen Leser es als das schönste ansehen werden. Daher kommt auch das Keynes zugeschriebene Zitat:

„Das Geheimnis des erfolgreichen Börsengeschäfts liegt darin, zu erkenne, was der Durchschnittsbürger glaub, dass der Durchschnittsbürger tut“.

Was Keynes zum ersten Mal im Jahr 1936 in seinem Buch „The General Theory of Employment, Interest and Money“ beschrieben hat, ist heute ganz allgemein unter dem Begriff „Step-level thinking“ (stufenweises Denken) bekannt. Ein erfolgreicher Spekulant sollte also eine Erwartung über die Erwartungen der anderen Marktteilnehmer bilden. Ein noch erfolgreicher Spekulant sollte dementsprechend Erwartungen über die Erwartungen von Erwartungen der anderen Marktteilnehmer bilden. Und ein noch erfolgreicher Spekulant sollte Erwartungen über die Erwartungen der Erwartungen von Erwartungen … man sieht denke ich schön, dass man dieses Spiel noch viel weitergehen könnte. Wären alle Investoren rational, würden diese Iterationsschritte in die Unendlichkeit führen. Wie aber inzwischen hinlänglich bekannt sein sollte, sind bei weitem nicht alle Börsenteilnehmer rational und die Iterationsschritte auch endlich. Als erfolgreicher Spekulant muss man also nur von den eingeschränkt rationalen Teilnehmern wissen, um eine ideale Strategie umsetzen zu können.


Doch was bedeutet der Schönheitswettbewerb nun für die Börse? Im Grunde sagt er erst einmal, dass man selbst bei einer rationalen Wahl einer kaufwürdigen Aktie auch noch die Meinung der anderen Marktteilnehmer berücksichtigen sollte. Kurzfristig könnte sich nämlich der sogenannte Herdentrieb durchsetzen, bei dem es zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung kommen kann. Bewertet man eine Aktie beispielsweise als gut, die Mehrheit der anderen Anleger ist aber der Meinung die Aktie wäre nichts wert, dann fällt der Kurs der Aktie, nicht jedoch, weil die Aktie tatsächlich schlecht sein muss, sondern weil die Anleger davon einfach nur ausgehen. Die Prophezeiung der negativ eingestimmten Anleger erfüllt sich damit selbst. Der Beauty Contest von Keynes kann damit Spekulationsblasen erklären.

Interessant wird das Konzept des Schönheitswettbewerbs nach Keynes, wenn zukünftig immer mehr Maschinen in die Investitionsentscheidung eingreifen. Mit künstlicher Intelligenz und selbstlernenden Algorithmen könnten dann Computer berechnen, wie andere Computer entscheiden. In diesem Fall könnten Flash Crashs vielleicht bald zum Alltag gehören!?

Quellen

Bildquelle: GDJ/pixabay.com

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