Investieren in IPOs

Über 100% Kursanstieg am ersten Handelstag sind bei einem IPO von einem stark gehypten Unternehmen keine Seltenheit. Da kommt der Wunsch bei dem ein oder anderen Privatinvestor auf, ebenfalls diese enormen Kursanstiege mitzunehmen, indem man zum Erstausgabekurs die Aktien kauft. Doch wie kommt man an die frischen Aktien, die während des sogenannten Initial Public Offering, kurz IPO, herausgegeben werden? Nachfolgend erfährst du es, wer und vor allem wie man überhaupt vor IPOs investieren kann.

Pre-IPO investieren – Aktien zeichnen

Gleich einer der ersten sein, das steht beim Pre-IPO Investment an erster Stelle. Dabei werden die Aktien während einer sogenannten Zeichnungsfrist öffentlich angeboten. Während dieser Frist legen sich die Anleger verbindlich fest, wie viele Aktien und zu welchem Limitpreis sie diese erwerben möchten (Bookbuilding-Phase). Oft gibt es dabei eine Mindeststückzahl und die Zeichnungsfrist ist auch nur sehr kurz. Meist nur zwischen fünf Tage und zwei Wochen. Nach der Zeichnungsfrist wird der Emissionspreis endgültig festgelegt und die Aktien zugeteilt. Nun weiß man auch, ob eine Aktie überzeichnet ist oder nicht alle Aktien gezeichnet wurden. Schon hier kann man erste Anzeichen herauslesen, ob der Aktienkurs nach offiziellen IPO erst einmal steigen oder sinken wird.

Tatsächlich sind Pre-IPO Investitionen vor allem institutionellen Anbietern vorenthalten. Für die Unternehmen bzw. den beteiligten Banken spart das Zeit, Arbeitsaufwand und die Erlöse sind besser kalkulierbar.

Banken und institutionelle Anleger gehen vor

Für einen Börsengang, also dem IPO, arbeiten die Unternehmen nämlich mit Investmentbanker zusammen, sodass zum einen die Bank selbst einen großen Teil der Aktien hält und zum anderen institutionelle Anleger, wie Pensionskassen, Investmentgesellschaften, Kreditinstitute, Versicherungen oder andere riesige Vermögensverwalter zum Zuge kommen. Hier darf man übrigens nicht dem Irrtum erliegen, dass diese Finanzakteure, die vor dem IPO an Aktien kommen, diese sofort auch gleich nach Start des Aktienhandels und einer evtl. damit verbundenen Kursexplosion sich vergolden lassen. Schließlich haben sie sich oft zu Sperrfristen (auch Lock-up-Periode genannt) verpflichtet, die es ihnen verbietet, die Aktie sofort wieder zu verkaufen. Diese Sperrfrist wird nach einer Neuemission von Aktien vereinbart, damit der Kurs dieser nicht sofort wieder fällt, wenn Aktienpakete im großen Maße gleich wiederverkauft werden.

Kleiner Teile auch für Privatanleger

Dennoch kann man durchaus auch als kleiner Privatanleger in den Genuss eines Pre-IPO-Investments kommen. Hier spielen die bei dem Börsengang begleitenden Banken, die sogenannten Konsortialbanken, eine entscheidende Rolle. Diese haben nämlich je nach IPO auch manchmal ein kleines Kontingent an Aktien für ihre Kunden zu vergeben. Teilweise arbeiten sie auch mit anderen Banken zusammen. Dies war beispielsweise beim IPO von Siemens Healthineers der Fall. In den meisten Fällen gibt es dann eine Maximalanzahl an zeichnungsfähigen Aktien und wie viele man davon am Ende dann auch erhält, ist Zufall. Man hat also keinen Anspruch auf eine bestimmte Anzahl an IPO-Aktien.

Das man nicht die Anzahl der gewünschten Aktien bekommt ist dann der Fall, wenn eine Überzeichnung vorliegt. Wenn also das Interesse nach der Aktie der Anzahl der angebotenen Aktien übersteigt. Da die Konsortialbanken die Zuteilung der Aktien festlegen, steigt die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Zeichnung, wenn man direkt Kunde bei der Konsortialbank ist, bzw. direkt dort den Zeichnungsauftrag einreicht. In der Regel werden nämlich eigene Kunden bevorzugt behandelt.

Handel per Erscheinen

Eine besondere Möglichkeit am IPO zu partizipieren ist der Handel per Erscheinen. Es handelt sich dabei um einen „Graumarkt“, bei dem Aktien bereits gehandelt werden, bevor es sie gibt. Angeboten wird das beispielsweise vom Handelshaus Lang & Schwarz und der Börse Tradegate. Strenggenommen handelt es sich hierbei um Termingeschäfte. Der Anbieter der Aktie verpflichtet sich dabei, diese nach Börsengang  zum festgelegten Preis zu liefern. Verkäufer dieser Aktien sind beispielsweise institutionelle Anleger, die ein Teil ihrer festen Zusagen wieder abtreten wollen, oder aber auch Leerverkäufer, die hoffen die Aktie für einen günstigeren Preis zu kaufen als sie sie später wieder verkaufen.

Pre-IPO Share-Börsen

Auf Pre-IPO Share Börsen verkaufen Mitarbeiter eines Unternehmens das an die Börse geht ihre Anteile schon vor dem offiziellen IPO. Die Gründe, warum die Mitarbeiter schon vor dem IPO ihre Anteile verkaufen wollen, sind unterschiedlich. Das kann zum einen daran liegen, dass sie selbst nicht an ihr eigenes Unternehmen glauben, oder aber auch, dass der ein oder andere lieber den Spatz auf der Hand als die Taube auf dem Dach möchte. Nicht jeder Mensch vertraut den Börsen. Auch wenn der Mitarbeiter schnell Liquidität braucht, kann er diesen Schritt gehen. Wie dem auch sei, mir sind vor allem englischsprachige Pre-IPO Share Börsen bekannt. Einer der wohl bekanntesten ist SharesPost, eine andere beispielsweise Equityzen.

Nach IPO investieren

Doch auch wenn man nicht direkt Pre-IPO investieren kann, kann sich dennoch ein Einstieg direkt nach dem IPO durchaus lohnen. Wichtig bleibt, man muss vor allem früh dabei sein und den optimalen Ausstiegspunkt wiederfinden, wenn man direkt durch die Neuemission Gewinne mitnehmen möchte. Den perfekten Ausstiegspunkt zu finden ist dabei alles andere als trivial. Schließlich sind Aktien direkt nach ihrem IPO extrem volatil und weisen extreme Schwankungen auf. Schließlich versuchen ganz viele Investoren den perfekten Einstiegs- und auch Ausstiegspunkt zu finden.

Wer nicht komplett zocken möchte, der sollte sich mit dem Unternehmen gut befasst haben. Hier hilft oft das Emissionsprospekt für den ersten Eindruck. Man sollte verstehen, in welchem Marktumfeld sich das Unternehmen befindet, was das Unternehmen kann, was die Konkurrenten nicht können und vor allem auch wie das Management aufgestellt ist. Wichtig ist auch die Bewertung zu analysieren. Wenn schon der Erstausgabekurs extrem ambitioniert war, dann können weitere Kurssprünge umso schwieriger sein. Allgemein darf man sich dabei nicht auf die reinen Werbebotschaften des Unternehmens verlassen. Das Unternehmen hat natürlich ein eigenes Interesse möglichst viel Nachfrage zu generieren und damit das erworbene Kapital zu steigern. Risiken und wenig gute Zahlen werden dann oft nur verschleiert kommuniziert, weshalb mehr als nur ein kritischer Blick auf das Unternehmen durch den Privatinvestor selbst mehr als nur empfohlen wird.

Oft sieht man übrigens bei gehypten Unternehmen auch das Phänomen, dass die Kurse nach IPO in die Höhe schießen und dann genauso schnell wieder sinken. Teilweise auch unter dem Emissionspreis. Es kann sich dementsprechend auch lohnen, etwas abzuwarten und zu kaufen, wenn die schnelleren Anleger schon ihre Gewinnmitnahme verbucht haben. So hat man zwar nicht den schnellen Gewinn, aber je nach Unternehmen dafür einen sehr guten Einstiegspreis für ein langfristiges Investment.

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