Was ist das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)?

Was ist das KGV? Erklärung, Berechnung und Interpretation

Die Kennzahl KGV steht für die Abkürzung Kurs-Gewinn-Verhältnis (im englischen auch price/earnings ratio (PER) oder P/E ratio) und dient zur Beurteilung von Aktien. Geteilt wird dabei der Kurs einer Aktie durch den Gewinn je Aktie für einen Vergleichszeitraum. Durch diese einfache Rechnung, soll man auf einen Blick erkennen können, ob eine Aktie aktuell teuer (überbewertet) oder günstig (unterbewertet) ist. Auf was man bei der Interpretation des KGV aber alles achten muss, das erfährt man nachfolgend.

KGV berechnen

Wie schon in der Einleitung beschrieben, berechnet sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis einer Aktie, in dem man den aktuellen Aktienkurs durch den Gewinn je Aktie eines Vergleichsjahres dividiert. Beim Gewinn je Aktie kann es sich entweder um den bereits bekannten Gewinn aus der Vergangenheit oder aber auch um den prognostizierten Gewinn für die Zukunft handeln. KGV auf Basis von Gewinnschätzungen findet man häufig unter der Zusatzbezeichnung „e“, wobei das „e“ für erwartet steht. Also ein KGV mit einer Gewinnschätzung für das Jahr 2020 würde folgendermaßen bezeichnet werden „KGV 2020e“.

Die Berechnung des KGV sieht in einer mathematischen Formel demnach so aus:

KGV berechnen

Beispiel

Beträgt der Kurs einer Aktie aktuell 100 € und im letzten Geschäftsjahr ist ein Gewinn von 5 € je Aktie erzielt worden, dann berechnet sich das KGV folgendermaßen:

KGV Beispiel zur Berechnung

KGV Interpretation

Aber was sagt das KGV nun überhaupt aus? Zusammenfassend sagt es aus, ob eine Aktie zum gegenwärtigen Zeitpunkt über- oder unterbewertet ist. So besagt eine Interpretation des KGV, wie viel Jahre es dauern wird, bis wann das Unternehmen den Wert seiner Aktien als Gewinn erwirtschaftet hat (bei konstanten Gewinnen). Im oberen Fall würde das beispielsweise 20 Jahre dauern.

Aus dieser Interpretation lässt sich schlussfolgern, dass für einen Anleger das KGV umso besser ist, je niedriger es ausfällt. Nun existieren viele Faustformeln, wann ein KGV ein gutes KGV ist. So sagen manche beispielsweise, dass ein KGV im einstelligen Bereich schon einmal sehr gut ist. Dementsprechend lautet die Faustformel, das bei einem KGV unter 10 ein Unternehmen unterbewertet ist, bei einem KGV von 15 bis 20 ist es etwa fair bewertet und bei einem KGV von über 30 ist es überbewertet. Dies ist aber nur eine von vielen Faustformeln. In der Levermann-Strategie wird beispielsweise ein KGV von unter 12 positiv gewertet. Wie es die Natur von Faustformeln aber so will, muss man damit sehr vorsichtig sein, denn das KGV hat einige Schwächen, wodurch die Betrachtung der reinen Kennzahl in die Irre führen kann. Nachfolgend möchte ich deshalb auf verschiedene Faktoren eingehen, die bei der Interpretation des KGV eine entscheidende Rolle spielen können.

Marktphase

Da Märkte verschiedene konjunkturelle Phasen durchlaufen, kann es je nachdem in welcher Phase man sich gerade befindet, extreme Schwankungen aufweisen. So ist die Betrachtung des KGV beispielsweise zu Beginn eines konjunkturellen Abschwungs wenig zu gebrauchen.

Wachstumswerte

Auch bei Unternehmen die sich gerade stark in der Wachstumsphase stecken, kann ein Blick auf das KGV trügerisch sein. Diese besitzen traditionell ein sehr hohes KGV-Niveau, was allerdings mit den außergewöhnlichen Wachstumsaussichten begründet ist. Bei solchen Firmen greift man deshalb meist auch eher auf das Kurs-Gewinn-/Wachstumsverhältnis (KGV/W, englisch PEG, für „Price Earnings/Growth Ratio“) zurück, das ein besser Einschätzung des Unternehmens bietet. Hier wird das KGV noch einmal durch das erwartete Gewinnwachstum geteilt. Hier gilt die Faustregel, dass ein Unternehmen mit einem KGV/W unter 1 als unterbewertet gilt.

Branche

Auch in den unterschiedlichen Branchen herrschen verschiedene KGV-Niveaus. Entsprechend muss man vorsichtig sein, wen man das KGV von Unternehmen aus verschiedenen Branchen vergleicht. Unternehmen aus der Bau- und Stahlbranche oder dem Maschinenbau haben beispielsweise durch die konjunkturellen Schwankungen eine vergleichsweise niedrige Bewertung. Dementsprechend ist das KGV in Branchen die Zyklen unterliegen regelmäßig zu niedrig. Das liegt daran, dass auf einem Höhepunkt des Booms die Gewinne der Zykliker auf die Folgejahre fortgeschrieben werden. Fällt dann zusätzlich auch noch der Kurs, dann sinkt der KGV weiter. Wer glaubt er macht nun beim Kauf ein Schnäppchen, der unterliegt einem Trugschluss.

Einmalige Sonderbelastungen

 Auch einmalige Sonderbelastungen können die Berechnung des KGV verzerren. Beispielsweise eine Steuerreform, die das Unternehmen besonders belastet oder aber auch begünstigt.

Shiller-KGV

Wegen der Anfälligkeit des KGV hat der US-amerikanische Ökonom und Nobelpreisträger Robert J. Shiller das sogenannte Shiller-KGV entwickelt. Hier ist die Berechnungsbasis der inflationsbereinigte, mittlere Gewinn der letzten zehn Jahre. So sollen temporäre Sondereinflüsse einzelner Jahre keine große Rolle bei der Betrachtung spielen.

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